Bau einer Verbindungspipeline

Fragen & Antworten (FAQ)

An dieser Stelle beantworten wir wichtige Fragen zur geplanten Anbindung des Flughafens Stuttgart an das zentraleuropäische Pipelinenetz CEPS.

Wozu eine Verbindungspipeline – und warum gerade jetzt?

Zur zentralen Infrastruktur des Flughafens Stuttgart zählt ein Flughafentanklager, über das die Airlines ihre Flugzeuge mit Turbinentreibstoff versorgen. Angeliefert wurde das Kerosin im Jahr 2013 zu zwei Dritteln per Lkw vom Tanklager Heilbronn, im Jahr 2015 zu 34 Prozent. Das Tanklager Heilbronn wird Ende 2017 geschlossen – ein Anlass für die FSG, die Kerosinversorgung künftig deutlich umweltfreundlicher zu gestalten.

Würde der Treibstofftransport ab dem Tanklager Plochingen (Lieferanteil im Jahr 2013: ein Drittel, im Jahr 2015: 60 Prozent) ausgeweitet, würde das bedeuten, dass auch künftig zahlreiche, mit Kerosin beladene Lkw an den Flughafen fahren. Alternative Tanklager – wie in Honau bei Kehl oder in Speyer – liegen deutlich weiter entfernt, rund 90 Kilometer weiter als Heilbronn (einfache Fahrstrecke). Die Verkehrs-, Lärm- und Schadstoffbelastung durch die als Gefahrgut deklarierten Treibstofftransporte würde damit deutlich steigen.

Wie groß und leistungsfähig ist die Pipeline?

Die Pipeline besteht aus Stahl, ist vollständig mit Kunststoff und Faserzement umhüllt und hat einen Innendurchmesser von 20 cm. Sie ist stets befüllt und transportiert täglich bis zu 1.500 m³ Treibstoff. Die maximale Förderleistung der Pipeline beträgt 210 m3 pro Stunde.

Wer baut und betreibt die Pipeline?

Bauherrin und Betreiberin der Verbindungspipeline ist die noch zu gründende Flughafen Stuttgart Pipeline GmbH & Co. KG. Kommanditisten dieser Gesellschaft werden zu gleichen Anteilen die Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) sowie die Oiltanking Deutschland GmbH & Co. KG sein. Das in Hamburg ansässige Unternehmen betreibt ein unabhängiges Tanklagernetzwerk mit 13 Tankläger in Deutschland und weiteren 76 in 22 Ländern weltweit.

Als Dienstleister für den Betrieb und die Überwachung der Verbindungspipeline ist die Fernleitungs-Betriebsgesellschaft mbH (FBG) mit Sitz in Bonn vorgesehen. Sie übernimmt diese Aufgaben im Auftrag des Bundes auch für den rund 1.500 Kilometer langen Teil des Central Europe Pipeline Systems (CEPS), der durch Deutschland verläuft. Und damit auch für den Abschnitt zwischen Tübingen und Aalen, an den die Verbindungspipeline angeschlossen werden soll.

Was hat der Flughafen davon? Und rechnet sich das?

Mit der Pipeline bindet die FSG den Flughafen Stuttgart an das zentraleuropäische Pipelinenetz CEPS (Central Europe Pipeline System) an. Auf diese Weise kann das Tanklager, das zur zentralen Flughafeninfrastruktur gehört, sicherer und umweltfreundlicher als bisher mit Kerosin versorgt werden. Zudem verspricht die Pipeline Kostenvorteile. Für den Bau rechnet die FSG mit Kosten von über zehn Millionen Euro.

Was bringt die Pipeline den Bürgern in der Region?

Bei einer Treibstoffversorgung via Pipeline entfallen künftig pro Jahr rund 7.500 Tanklastzugfahrten zum Flughafen. Das bedeutet weniger Risiken durch Gefahrguttransporte auf den Straßen sowie eine geringere Verkehrs-, Lärm- und Schadstoffbelastung. Letztere sinkt pro Jahr um bis zu 650 Tonnen CO2. Das entspricht etwa dem CO2- Ausstoß von 4,5 Millionen gefahrenen Pkw-Kilometern.

Welchen Einfluss haben die Bürger auf den Bau?

Im Planungsprozess haben alle Bürger die Möglichkeit, berechtigte Hinweise auf bislang nicht berücksichtigte Aspekte einzubringen. Das Planungsbüro registriert und bewertet diese. Treten Konflikte auf, wird nach konsensfähigen Lösungen gesucht. Das gilt auch für die Wahl der Streckenführung.

Wo und wie wird die Pipeline verlegt?

Im Gespräch waren zunächst zwei Planungskorridore. Das Raumordnungsverfahren ergab, dass die Variante 1, die parallel zur Autobahn A8 verläuft, die geeignetere wäre – und zwar hinsichtlich Flächen, vorhandener Infrastruktur und Umweltaspekten. Verlegt wird die Pipeline direkt in öffentlichen Wegen oder in einem Abstand von rund drei Metern parallel zu diesen – auch in privaten Grundstücken. Die Eigentümer erhalten dafür eine Entschädigung. Die Pipeline wird im Erdreich mit einer Überdeckung von mindestens 1,20 Metern vergraben. Oberirdisch ist ihr Verlauf durch Markierungspfähle gekennzeichnet.

Beidseits der Pipelineachse soll ein Sicherheitsabstand von drei Metern eingehalten werden. In diesem Bereich dürfen keine tief wurzelnden Bäume und keine Bauwerke errichtet werden. Einschränkungen für die landwirtschaftliche Nutzung gibt es nicht.

Warum wird die Pipeline nicht gleichzeitig mit der Neubautrasse Stuttgart – Ulm der Deutschen Bahn verlegt?

Die Deutsche Bahn hat in einer ersten Stellungnahme aus Sicherheitsgründen abgelehnt, dass die Kerosinleitung direkt in die Bahntrasse gebaut werden kann. In bestimmten Bereichen, etwa in der Gemarkung Neuhausen, nutzen wir jedoch den Neubau von öffentlichen Straßen und Wegen entlang der S-21-Trasse – und wollen so Ressourcen sparen.

Warum kann man bestehende Freileitungstrassen der Stromversorgung nicht mitbenutzen?

Für die Pipeline ist beidseits ein Schutzstreifen von rund drei Metern vorgesehen. Hier sollen in der Regel keine anderen Leitungen verlegt werden, die den Korrosionsschutz der Kerosinleitung beeinträchtigen.

Was bedeutet das für die Grundstückseigentümer?

Die Verlegung der Pipeline in gemeindeeigenen Grundstücken sowie in Privatgrundstücken wird vertraglich geregelt. Zu beachten sind Wegerechte sowie Bauverbote innerhalb von Leitungsschutzstreifen. Eigentümer, deren Grundstück die Pipeline quert, werden für die Verlegung finanziell entschädigt. Verläuft die Pipeline unterhalb befestigter Wege, muss die Bauherrin nach Abschluss der Bauarbeiten deren ursprünglichen Zustand wiederherstellen. Gleiches gilt für Straßen oder Wege, die durch Bauverkehre beschädigt werden.

Markierungspfähle werden den Verlauf der Pipeline kennzeichnen. Beeinträchtigen diese die Landwirtschaft?

In der Regel werden die Markierungspfähle an den Knickpunkten der Pipeline und neben bestehenden Wegen aufgestellt. Der Abstand zwischen den Pfählen liegt in Sichtweite, also voraussichtlich zwischen 300 und 500 Metern. Wenn die Landwirtschaft im Einzelfall dadurch beeinträchtigt werden sollte, zahlt die FSG den Grundstückseigentümern in Abstimmung mit den Verbänden eine Entschädigung.

Werden Drainagen wieder ordnungsgemäß hergestellt?

Drainagen werden in der Regel bereits während der Planung erfasst. Sollten sie im Einzelfall erst bei den Bauarbeiten angetroffen und beschädigt werden, werden sie fachgerecht wieder in Stand gesetzt. Der Eigentümer der Drainage kann sich in diesem Fall persönlich über die ordnungsgemäße Wiederherstellung informieren.

Wie groß sind die Eingriffe in die Natur?

Die Eingriffe beschränken sich weitgehend auf die Bauarbeiten. Genauer: auf das Freilegen des Leitungsgrabens, das Zwischenlagern von Mutterboden, Aushub- und Baumaterial sowie das Einrichten von Baustellenflächen und den damit verbundenen Verkehr. Ist die Pipeline verlegt, wird beidseits ihrer Achse ein sogenannter Schutzstreifen von jeweils drei Metern Breite ausgewiesen. Dieser darf nur mit Zustimmung der Pipeline-Betreiberin genutzt werden, Bauarbeiten im und am Schutzstreifen müssen vorab mit ihr abgestimmt werden. Pflanzen, deren Wurzeln die Pipeline beschädigen könnten, werden aus dem Schutzstreifen entfernt.

Gibt es einen Ausgleich für Bäume im Wald, die gefällt werden müssen?

Wenn Bäume in Forstflächen gefällt werden müssen, zahlt die FSG eine Entschädigung an den jeweiligen Waldbesitzer. In der Regel wird die Pipelinetrasse aber entlang von bestehenden Waldwegen geführt, so dass nur Bäume, die sehr nahe an diesen Wegen stehen, eingeschlagen werden müssen. Die Arbeiten erfolgen in sehr enger Abstimmung mit der Forstbehörde bzw. dem Waldbesitzer.

Wie sicher ist die Pipeline? Und wer überwacht sie?

Pipelines gelten als das sicherste Transportmittel für flüssige oder gasförmige Produkte. Sie sind gegen Korrosion geschützt und werden regelmäßig gewartet. Für die Überwachung der Verbindungspipeline zum Flughafen Stuttgart wird die in Bonn ansässige Fernleitungsbetriebsgesellschaft (FBG) mbH beauftragt. Sie kontrolliert seit 1956 den gesamten deutschen Teil des Central Europe Pipelinesystem (CEPS). Durch moderne Überwachungstechnik und qualifiziertes Personal gewährleistet die FBG rund um die Uhr dessen sicheren Betrieb. Treten Unregelmäßigkeiten auf, wird der Treibstofftransport mittels Prozessleittechnik automatisch gestoppt. Druckveränderungen, die auf Leckagen hinweisen könnten, kann die FBG unmittelbar und präzise lokalisieren und beheben. In regelmäßigen Intervallen, mindestens jedoch einmal im Monat prüft die FBG die von ihr überwachten Pipelines auf Funktionalität, Dichtheit und das Einhalten des Schutzstreifens. Auf dem 1.500 Kilometer langen Pipelinenetz, das die FBG bundesweit überwacht, registrierte sie in den zurückliegenden Jahrzehnten keinerlei Leckagen.

Ist die Pipeline im Falle eines Erdbebens sicher?

Im weiteren Genehmigungsverfahren wird mit der zuständigen Behörde und den Sachverständigen abgestimmt, ob für den seltenen Fall eines Erdbebens in dieser Gegend erhöhte Sicherheitsvorkehrungen erforderlich werden. Diese würden dann bei der Herstellung der Pipeline berücksichtigt.

Besteht Explosionsgefahr?

Die geplante Verbindungspipeline zum Flughafen Stuttgart ist vom Abzweigpunkt der CEPS bis zur Übergabe am Flughafentanklager ein geschlossenes System. Kerosindämpfe treten im laufenden Betrieb nicht auf. Somit besteht keinerlei Explosionsgefahr.

Gibt es Gründe, das Projekt zu stoppen?

Zu Beginn der Planung hat die FSG eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die gezeigt hat, bis zu welcher Investitionssumme die Pipeline wirtschaftlich ist. Sollte sich im weiteren Verlauf des Genehmigungsverfahrens ergeben, dass die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben ist, besteht die Möglichkeit, das Projekt frühzeitig zu beenden. Die Planung der Pipeline wird allerdings nicht automatisch abgebrochen, wenn sich der Zeitplan verschiebt. In diesem Fall würde die Situation neu bewertet werden.

Ist die Pipeline Vorbote einer Erweiterung des Flughafens Stuttgart?

Nein. Einer Erweiterung haben Gesellschafter und Geschäftsführer der FSG eine Absage erteilt. Die Pipeline verfolgt ausschließlich sicherheitsrelevante, ökologische und wirtschaftliche Ziele für den aktuellen Betrieb des Flughafens.

zum Seitenanfang